Faszination Naturgarten

Also wenn man sich überlegt, warum Naturgarten, ich denke es gibt so viele Antworten dafür wie es Menschen gibt. Die Düfte, die unbeschreiblich vielen Arten, die dort zu finden sind die Insektenarten, die Libellen die über die Teiche jagen, die Frösche im Hintergrund die Geräusche, die Gerüche, all das hat eine ganz ganz tiefe Wirkung auf mich. Als kleiner Junge, ich hab jetzt schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, bin ich in einer Landschaft aufgewachsen die artenreich war, vielfältig. Und ich hab den Schwalbenschwanz mit meinem Papa dort entdeckt und die Raupe und die Bläulinge und das alles hat mich geprägt. Mir war wichtig, dass verschiedene Standorte da sind, dass einfach feucht, trocken, Schatten, direkte Sonne, nährstoffarm, dass auch alles auf dieser kleinen Fläche vorhanden ist. Die Entscheidung für einen Naturteich, die war von vornherein klar. Ja wir wollten immer was für die Natur tun und wir wollten auch, dass unsere Kinder und wir die Natur hautnah erleben. Also eine Grundüberlegung am Anfang war eigentlich dass ich meine, ein Garten darf ja einen nicht zum Arbeiten zwingen. Sondern ich will im Garten arbeiten wenn ich will und nicht, wenn mich der Garten dazu zwingt. Und wenn ich mal vier Wochen nicht Rasen mähen kann oder gießen kann, dann darf das keine Katastrophe im Garten auslösen. Und noch eine zusätzliche Motivation war den Kindern ein Leben mit der Natur zu ermöglichen. Dass die Kinder eine eine Artenvielfalt an Pflanzen, an Tieren einfach erleben, was man in einer Stadt oder in einem normalen Garten einfach nicht hat. Des ist ne Weinbergschnecke und wir wollen jetzt ein Schneckenrennen machen. Ich hab dann mich ein bisschen belesen, bin irgendwann in Kontakt gekommen mit dem Naturgartenverein. Hab über den dann Bücher und Bezugsquellen bekommen und habe dann nach und nach diesen Garten so angelegt nach deren Beispielen aber auch noch meinen eigenen individuellen Vorstellungen und auch zum Teil Experimenten. Wir haben unseren Naturgarten nicht auf einmal umgestaltet, also innerhalb von ein oder zwei Wochen alles umgekrempelt, sondern wir haben diesen Garten nach und nach umgestaltet, das heißt über einen Zeitraum von 10 Jahren. Das Erste was entstanden ist war die Kräuterspirale wo ich hier sitze, mit essbaren Blüten, mit Kräutern. Also da kam eigentlich unsere Ideen und die Ideen vom Gartenarchitekten sind zusammengefallen in eins. Also es bietet sich hier natürlich auch extrem an mit dem Bachlauf, der das sehr dominiert und der den Rest dann fast zusammen mit der Geländestruktur fast automatisch vorgibt. Der Bau selber waren zwei sehr intensive Wochen mit drei Baggern und viel Kies weil es war ähnliches Wetter wie heute zwei Wochen lang und wir sind tief versunken, aber das Ergebnis ist okay. Also ich würde den Garten immer wieder so gestalten, weil er auch sehr viele Möglichkeiten bietet das weiterzuentwickeln, so ein Garten ist nie fertig. Ich habe großes Interesse so Dekoartikel mit in unseren Garten einzubeziehen, teilweise habe ich die selbst gemacht getöpfert oder aber es macht mir Spaß auf Flohmärkten was zu entdecken die ich dann hier irgendwo einbringe. Es ist also zu jeder Jahreszeit ein anderer Aspekt da ist und auch zu jeder Jahreszeit der Reiz dieses Gartens da ist, im Gegensatz zu den Standardgärten wo versucht einen Zustand zu erhalten der immer gleich ist ist es hier so, dass in jedem Jahr an anderer Stelle Pflanzen auftauchen und die sich eben Standorte suchen wo sie hin passen Dadurch, dass so ein alter Baumbestand da war, wollte ich auf jeden Fall das Grundstück öffnen, mehr Sonne reinlassen und es war mir auch wichtig dass die Leute sehen können was ein Naturgarten ist. Dass sie mitbekommen, dass auch so ein Garten möglich ist. Wichtig ist mir auch das eigene Regenwasser zu nutzen, im Moment bin ich dabei einen Teich anzulegen den ich, ja je nach Zeit und Kraft, mit Schippen und Schiebkarre komplett selber aushebe, um nicht die Randbereiche, die ich vorher angelegt habe, zu zerstören. Es sollte auf jeden Fall ein Naschgarten werden mit frischen Kräutern und ein bisschen Naschobst für die Familie. Es sollte gleichzeitig aber auch ein Biogarten werden, in dem keine Pestizide eingesetzt werden und keine Mineraldünger. Und es sollte vor allen ein lebendiger Naturgarten werden als Lebensraum für Tiere, Menschen und natürlich für die Pflanzen. Unsere 560 heimischen Wildbienenarten, die es hier in Deutschland gibt, sind den meisten Menschen unbekannt. Kaum jemand weiß, dass man auch für diese Tiere etwas tun kann und Nistmöglichkeiten und Pflanzen anbieten kann. Unsere heimischen Wildbienen sind mehr oder weniger stark spezialisiert was die Wahl der Nistplätze betrifft. Verschiedene Wildbienenarten brauchen auch verschiedene Durchmesser von den Stängeln oder von den Löchern, in denen sie nisten können. Am Wasser ist eigentlich immer was los, da tobt das Leben, könnte man im Grunde sagen. Unbeschreiblich viele Libellenarten treffen sich dort, die Frösche wandern an den Teichen entlang und die Idee ist sie gewesen möglichst viele kleine Tümpel aneinander zu reihen die verbunden sind. Die Zonen feucht und nass treffen sich hier mit der Zone mager und steinreich. Dort ist eine besonders hohe Artenvielfalt Wir hätten ja auch einen Swimmingpool machen können, aber den hat jeder, da kann man für wenig Geld hingehen. Das ist eigentlich nicht der Punkt. Sondern wir wollen wirklich, wenn man schwimmt, dann direkt den Molchen mal zuschauen, wenn die runtertauchen oder zwischen den Pflanzen mal durchschwimmen und das einfach richtig erleben. Hier haben wir eine Zimtrose, das ist eine heimische Wildrose, die sehr schön in naturnahe Gärten passt. Die kleinere niedrige Art, die ganz dichte Gebüsche macht, man siehts ja hier. Da mag man jetzt gar nicht reinfassen, da kriegt man nur Risse an den Fingern und Dornen rein und eine Katze würde da auch nicht reingehen. Also ist es ein Brutplatz für die Vögel im Garten, die brauchen ja auch irgendwie ein bisschen was wo sie ihr Nest bauen können. Man fängt mit einer Rose an und es kommt dann die zweite und dann hat man die dritte noch nicht und auf einmal hat man eine Rosenhecke, so wie wir es hier sehen. Eine Hecke mit verschiedenen Gartenrosen in einer Reihe stehend, die kann höher sein oder niedriger sein, hier sind sie relativ weit gepflanzt, aber man kann es auch so eng pflanzen, dass es praktisch eine dichte Gartenhecke gibt. Von der Pflege eigentlich gar nichts, wachsen lassen noch ein Jahr wachsen lassen, noch zwei Jahre wachsen lassen, noch fünf Jahre wachsen lassen und irgendwann, wenn sie alt werden, wenn sie kahle Triebe bekommen, dann würde man sie vielleicht einmal ganz unten abschneiden. Das heißt auf den Stock setzen und dann wachsen sie wieder frisch heraus. Des ist genau das Problem, dieser Sitzrasenmäher, wenn ich da nach der Arbeit nach Hause hetzen muss, um vor dem Regen noch schnell mit dem Sitzrasenmäher die Tausend Quadratmeter niederzuräumen, gegen an einem schönen Wochenende einmal zu sensen und noch was Gutes zu tun das ist so die Alternative. Abgesehen davon haben wir ein Pferd, was hier auch ab und zu mal Rasen mähen könnte. Also von daher überlassen wir das eigentlich allem selbst. So im Spätherbst, wir lassen die ganzen Pflanzen stehen, damit eben die Fruchtstände für die Vögel auch erhalten bleiben als Nahrung. Und das wird eigentlich im Frühjahr dann etwas zurück geschnitten. Zweimal im Jahr wird hier unsere kleine Rasenfläche gemäht, damit sie im Winter wieder gut nach wächst und ich pflücke häufiger mal Blumensträuße fürs Haus, auch dann wachsen die Pflanzen wieder besser nach und blühen dann noch einmal. So der Aspekt Ästhetik im Garten ist mir sehr wichtig, aber nicht eine von mir definierte Ästhetik, sondern ich überlasse es der Natur und bewundere was sie hervorbringt. Es ist so, dass obwohl auch hier in dieser Gegend rundherum alle Gärten konventionell angelegt sind und wenig Vielfalt bieten, sich hier in diesem Garten diese ganzen Wildbienenarten von allein eingestellt haben. Ganz klar, wenn es einigermaßen warm ist, ist hier großes Geplanschte mit allen Utensilien. Dann kommen also Freundinnen und Freunde grad von meinen beiden Kleinen Die höchste Freude hatten die Kinder gleich im ersten Winter, weil dort es war so schön zugefroren da hat man also jeden Tag Eishockey gespielt auf dem Teich. Das war die erste Nutzung vom Schwimmteich war Eishockey. Der Garten bringt mich dazu im Hier und Jetzt und in der Minute wo ich Pflanzen oder Tiere beobachte zu sein und nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Mich freut das halt jeden Tag, wenn ich durch den Garten gehe nach der Arbeit, dass es halt in meinem stressigen Berufsalltag als OP-Pfleger ist es ein Hobby, was ich sehr gut ausüben kann, weil ich mich nicht an feste Zeiten bindet. Ich kann das vor meiner Arbeit, nach meiner Arbeit machen. Im Naturgarten überlässt man ja auch vieles einer gewissen Dynamik. Das hier zu erleben, wie sich Natur entwickelt, wie Natur auch mal stören kann oder sich durchsetzt und dann auf einmal ganz andere Sachen bringt, als man gedacht hat und schöner ist, als was man sich gedacht hat.